Deutscher Naturstein-Preis 2026 – Gewinner geehrt

Bereits zum 22. Mal zeichnen der Deutsche Naturwerkstein-Verband e.V. (DNV) und der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hervorragende nachhaltige Bauweisen mit dem Deutschen Naturstein-Preis (DNP) aus. Nun wurden am 17. Juni 2026 die Preisträger der großartigen Naturstein-Arbeiten bekannt gegeben, die beispielhaft für eine hohe architektonische Qualität sowie eine ressourcen- und energieschonende Bauweise stehen.

Für den diesjährigen Wettbewerb wurden insgesamt 115 Projekte eingereicht. Die Jury des Deutschen Naturstein-Preises würdigte aus den 27 nominierten Naturstein-Projekten den Preisträger DEUTSCHER NATURSTEIN-PREIS 2026 sowie die Kategoriesieger und den Studentischen Nachwuchsförderpreis. Erstmals wurden zwei Gewinner gekürt.

DNP 2026: Neubau Deutsche Botschaft Wien

Gewinner & Kategoriesieger A: Öffentliche Gebäude und Gewerbebauten
Architekt/Planverfasser: Schulz und Schulz Architekten GmbH, Leipzig
Naturstein: Krastaler Marmor
Natursteinunternehmen: Lauster Steinbau GmbH, Stuttgart

Begründung der Jury: Der Neubau der Deutschen Botschaft in Wien von Schulz und Schulz zeigt sich als villenartiger Bau, deutlich aus der gründerzeitlichen Bauflucht gerückt, als eigenständiger Stadtbaustein, der die Funktion als wichtiges öffentlich-repräsentative Gebäude mit einer angemessenen Würde vermittelt. Großzügigkeit ist hier die Devise, was den Raum und die Ausstrahlung betrifft, großzügig der Umgang mit dem kleinen umgebenden Garten, großzügig im Inneren mit Halle und Hof. Die architektonische Haltung des Neubaus reflektiert die klassische Moderne eines Le Corbusier, allerdings ohne strenge Pragmatik, die wahrscheinlich die Natursteinfassade verhindert hätte. Bei der Anordnung der Funktionen Botschaft und Residenz löst der Entwurf geschickt die Einbindung in das Stadtgefüge: Dem freistehenden Solitär der Botschaft wird die Residenz als Anbau an eine bestehende Blockrandbebauung angelegt, großzügig über einen Terrassenbau mit der Botschaft verbunden. Das gesamte Gebäudevolumen ist mit Naturstein verkleidet: Marmorplatten aus dem nahen österreichischen Krastal mit hellem, fast eisigen Farbton, formulieren scharfkantige Volumina, fast skulptural auch Untersichten und Fensterlaibungen. Die versetzten, in Ihrer Struktur und Farbigkeit leicht unterschiedlichen Platten fügen sich zusammen zu einer eigenen Art Glasur, einer bewusst dünnen Schicht, einer straff gespannten Haut aus Naturstein. Diese Schicht zieht sich wie selbstverständlich ins Innere, entsprechend der Idee der Vernetzung von Innen und Außen, der Idee eines offenen einladenden Gebäudes. Besondere Aufmerksamkeit der Architekten lag auf der Nachhaltigkeit: Neben der bemerkenswerten CO2 Bilanz durch kurze Wege des Materials Naturstein wurde auch eine einfache Rückbaubarkeit und Wiederverwendung der Natursteinplatten eingeplant. Wien gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Die neue Botschaft der Bundesrepublik Deutschland ist nicht nur in den Materialien und Herstellung nachhaltig, sie ist es vor allem als wunderbares Beispiel zeitgenössischer Architektur.

Fotos: tschinkersten fotografie, Wien

DNP 2026: Wohnturm Kureck Wiesbaden

Gewinner & Kategoriesieger B: Wohnbauten
Architekt/Planverfasser: Max Dudler GmbH, Berlin
Naturstein: Dietfurter Kalkstein
Natursteinunternehmen: Hofmann Naturstein GmbH & Co. KG, Werbach/Gamburg

Begründung der Jury: Der Wohnturm am Kureck in Wiesbaden, ein Projekt von Max Dudler, orientiert sich laut Verfasser am Campanile: Auch wenn es hier um ein Wohngebäude und nicht einen Sakralbau geht, trifft diese Anlehnung durchaus zu. Steht der Turm doch städtebaulich präzise am Endpunkt der für Wiesbaden prägenden Achse des Wilhelmstraße-Boulevards und fungiert zugleich als markantes Zeichen für das neue Stadtquartier Kureck. Städtebaulich schafft der Turm mit den zwei flankierenden Gebäuden einen neuen kleinen Platz am Hang des Adolfsbergs, zu dem von hier aus großzügige Treppenanlagen führen – ein schöner Auftakt und hoffentlich gut angenommener Stadtraum mit Möglichkeiten des Ankommens und Verweilens. Die Figur des Turms, ein unregelmäßiges Fünfeck als Grundfläche, eine Höhe von etwa 60 Metern, ist präzise gesetzt und aufgeführt: Keine unnötigen Differenzierungen, keine Balkons oder Vorsprünge: Ein minimalistischer Baukörper, bestechend in seiner Ruhe und formalen Nachhaltigkeit. Im Inneren bietet der Turm mit fünfeckigem Grundriss geschickt Raum für Wohnungen über Eck, sicherlich großzügig für Betuchte, in den obersten Geschossen als Duplex angelegt. Die großen Fensterformate schaffen Bereiche mit besten Ausblicken, darüber hinaus werden durch Schiebeelemente Loggien und Freisitze im Turm angeboten. Die Verfasser sprechen in ihrem Bericht von einer monolithischen Fassade aus Naturstein, also einer Fassade aus einem Guss. Tatsächlich wird hier der Eindruck einer maximalen Homogenität erreicht, das Bild einer fugenlosen Fassade, der minimalistischen Form entsprechend. Das Material, deutscher Jura Kalkstein, wassergestrahlt, erhält eine leicht rötliche Färbung, wie einen letzten Schimmer der Wiesbadener Backsteinbauten. Lisenen und horizontale Bänder der Fassade changieren zwischen Struktur und Masse, verleihen ihr Zeitlosigkeit, die klassische Dreiteilung trägt dazu bei. Der neue Wohnturm am Kureck in Wiesbaden ist ein hervorragendes Beispiel für den Weiterbau der europäischen Stadt, ein bestes Beispiel für hochwertigen Wohnungsbau, ein Beispiel für im wahrsten Sinn des Wortes vorbildlichen Umgang mit Naturstein.

Fotos: Stefan Müller, Berlin

>> alle Preisträger 2026 im Überblick

>> Download Dokumentation DNP 2026

Zum Abschluss des Architekturkongresses der Stone+tec 2026 sprach Prof. Hans Kollhoff von Kollhoff Architekten über seine Leidenschaft für einen der ältesten und zugleich zukunftsfähigsten Baustoffe: Naturstein.
In seinem Vortrag „Steinlust“ zeigte er, warum Stein seit Jahrhunderten Architektur prägt und welche Bedeutung das Material heute für langlebige, nachhaltige und qualitätsvolle Baukultur hat. Seine abschließenden Worte, dass Architektinnen und Architekten die Steinbrüche selbst besuchen sollten, hinterließ bei den Gästen einen bleibenden Eindruck. Dieser Gedanke bringt treffend zum Ausdruck, wofür wir als Verband und Vertreter der Naturwerksteinindustrie stehen: den direkten Bezug zum Material und seiner Herkunft zu fördern. Im Anschluss erhielt er vom DNV eine Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Fotos: stone-tec.com / Foto: Vincenz Hinte

>> Download Pressemitteilung 17.06.2026

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