Am 5. und 6. Februar veranstaltete der DNV das Fortbildungsseminar „Boden- und Treppenbeläge aus Naturwerkstein“. Die zweitägige Veranstaltung bot Verbandsmitgliedern, Fachplanern, Sachverständigen und Fachlehrern ein hochkarätiges Programm mit praxisnahen Vorträgen zu Bemessung, Regelwerken, Schadensvermeidung, Strahlenschutz und digitalen Innovationen.
Hybride Deckenkonstruktionen: vorgefertigt, nachhaltig, kreislauffähig
Zum Auftakt stellte DNV-Präsident Hermann Graser innovative Holz-Stein-Verbunddecken vor. Unter dem Leitgedanken „vorgefertigt. hybrid. kreislauffähig.“ zeigte er die Potenziale hybrider Deckenkonstruktionen auf, die ökologische Aspekte mit hoher Tragfähigkeit und architektonischer Qualität verbinden. Die Kombination aus Holz und Naturwerkstein ermögliche wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen im modernen Hochbau.
Bemessung von Bodenbelägen: Einzellasten im Blick behalten
Prof. Dr. Alfred Stein (Kruft) widmete sich den Bemessungsverfahren für Bodenbeläge aus Naturwerkstein. Er betonte, dass bei zu erwartenden konzentrierten Einzellast – etwa aus Lagerregalen oder Flurförderzeugen –gesondert zu ermitteln und gemeinsam mit gleichmäßig verteilten Nutzlasten im Tragsicherheitsnachweis zu berücksichtigen sind. Berechnungsverfahren nach DIN EN 1341 sowie Lastannahmen gemäß DIN EN 1991-1 bildeten die normative Grundlage, bei hohen Einzellasten sind aber gesonderte Betrachtungen erforderlich.
DNV-Bemessungsprogramme: leistungsfähig, aber anspruchsvoll
DNV-Geschäftsführer Reiner Krug stellte die verbandseigenen Bemessungsprogramme vor. Die erforderliche Plattendicke hängt maßgeblich von Beanspruchung, Natursteinfestigkeit, Format, Verlegetechnik und Untergrund ab. Das Programm DNV5 bietet weitreichende Eingabemöglichkeiten – und damit auch Fehlerrisiken. Entsprechend richtet sich die Anwendung ausdrücklich an geschulte Techniker und Ingenieure.
Estriche als Verlegeuntergrund: klare Verantwortlichkeiten
Burkhard Prechel (Mapei) erläuterte die Anforderungen an Estriche gemäß DIN 18157 und DIN 18202. Verlegeuntergründe müssen ausreichend eben, tragfähig, rissfrei, trocken und frei von haftungsmindernden Stoffen sein. Das Schließen von Rissen in neu eingebauten Estrichen stellt eine Mangelbeseitigung dar und liegt im Verantwortungsbereich des Estrichlegers.
Schutzabdeckungen und Mängelbewertung
Herbert Fahrenkrog (Magna) machte deutlich, dass Schutzabdeckungen und Klebebänder für Natursteinbeläge keineswegs trivial sind. Aufgrund der Materialvielfalt und Wechselwirkungen sei das Schadenspotenzial hoch und für Ausführende oft schwer kalkulierbar.
Aus Sachverständigensicht beleuchtete Karl-Hermann Gerloff (Würzburg) typische Streitpunkte bei der Mängelbewertung. Grundlage ist das DNV-Merkblatt „Bewertung von Naturwerksteinarbeiten“, insbesondere zur Beurteilung des optischen Eindrucks von Naturstein-Oberflächen.
Radioaktivität: Rechtssicherheit durch Messungen
Prof. Dr. Siegfried Siegesmund (Göttingen) informierte über die Anforderungen der novellierten Strahlenschutzverordnung. Seit dem 31.12.2018 müssen Baustoffe radiometrisch analysiert werden. Der Referenzwert von 1 Millisievert pro Jahr gilt als eingehalten, wenn der Aktivitätsindex I den Wert 1 nicht überschreitet.
Reiner Krug ergänzte hierzu das gemeinsame Merkblatt von DNV und Bundesverband Deutscher Steinmetze. Die Messergebnisse des Bundesamts für Strahlenschutz zeigen, dass aktuelle Bauprodukte und untersuchte Naturwerksteine – selbst bei großflächiger Anwendung – uneingeschränkt verwendbar sind. Der gesetzlich festgelegte Referenzwert wird eingehalten.
Rutschhemmung: richtige Klassifizierung entscheidend
Andreas Klarmann (LGA) eröffnete den zweiten Seminartag und stellte die Prüfverfahren zur Rutschhemmung vor. Für die Auswahl geeigneter Bodenbeläge ist die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.5 maßgeblich. Die Einteilung erfolgt in R-Klassen nach DIN EN 16165 (Anhang B) sowie in V-Klassen nach DIN 51130. Die normgerechte Bewertung ist insbesondere für öffentlich zugängliche Bereiche von zentraler Bedeutung.
Digitale Steinidentität ohne Marker
Mit der CMID-Technologie präsentierten Benedikt Bührle & Marcel Winter vom Berliner Startup CMID eine innovative Lösung zur Erstellung einer digitalen Materialidentität – ganz ohne sichtbare Marker. Die Online-basierte Technologie ermöglicht eine eindeutige Identifikation von Naturstein und eröffnet neue Perspektiven für Qualitätssicherung, Rückverfolgbarkeit und Werterhalt.
PFAS-Regulierung: Auswirkungen auf Schutzprodukte
Otello Piroddi (Akemi) informierte über moderne Schutzprodukte für Naturstein und die laufenden PFAS-Regulierungsprozesse in der Europäischen Union. Ab dem 10. Oktober 2026 gilt ein Verbot PFAS-haltiger Produkte für Endverbraucher, ab Mitte/Ende 2028 auch für den professionellen Gebrauch. Bauchemikalien wie Imprägnierungen sind direkt betroffen – die Branche steht vor einem technologischen Wandel.
Drainsysteme für Treppenbeläge: Feuchteschutz im Fokus
Ralph Johann (Gutjahr) widmete sich Drainsystemen für Außentreppen. Diese sind denselben Witterungsbedingungen ausgesetzt wie Balkone und Terrassen und reagieren sensibel auf stauendes Wasser. Empfohlen werden kapillarbrechende Stufendrainagen, die Ausblühungen und Feuchteflecken verhindern und die Abtrocknung beschleunigen. Einteilige Systeme reduzieren zudem Verlegefehler. Entscheidend bleiben durchdachte Entwässerungsdetails – von Zwischenpodesten bis zur kontrollierten Wasserführung bei freien Treppenwangen.
Fazit
Die Seminare des DNV zeigen eindrucksvoll, wie eng technische Regelwerke, Materialkompetenz und innovative Entwicklungen miteinander verzahnt sind. Neben klassischen Themen wie Bemessung und Untergrundprüfung rückten Digitalisierung, Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen zunehmend in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung bestätigte einmal mehr ihren Stellenwert als zentrale Fachplattform für die Naturwerksteinbranche.


Fotos: DNV Würzburg
